Gefangen zwischen zwei Welten - {Noch in Barcelona, aber vor der Rückkehr nach Deutschland}

by - Wednesday, September 03, 2014




Ende August war ich für 6 Tage in Deutschland. Anlass war der 70. Geburtstag von meinem Opa und den wollte ich auf keinen Fall verpassen. Seit seinem 65. Geburtstag war ich immer weg, im Ausland, und habe es sehr bedauert, an diesem Tag nicht bei ihm sein zu können. Diesmal hat es geklappt und wir hatten wirklich zwei wundervolle Tage und eine schöne Feier.
Ansonsten fühlte ich mich Zuhause recht seltsam. Ich wusste ich bin Zuhause, aber nichts fühlte sich als Heimat und Zuhause an. Die ganze Zeit hatte ich nur Barcelona im Kopf, Erinnerungen, Gefühle, manchmal mischten sich meine Gedanken auch mit Erinnerungsfetzen an meine Zeit auf Zypern.
Ich war Zuhause, doch fühlte mich fremd, die meiste Zeit wollte ich einfach nur weg, zurück nach Barcelona. Dort kenne ich wenigstens die Klamotten in meinem Schrank (die in meinem Zimmer in Deutschland sind mir nach 3 Jahren Abwesenheit fremd), habe eine recht moderne Wohnung, ja meine erste eigene und bin vor allem mobil. Mit der Metro und dem Zug erreiche ich jeden beliebigen Ort.
Die vergangenen 6 Jahre habe ich größtenteils im Ausland verbracht, in Lloret de Mar an der Costa Brava, in Paphos auf Zypern und die vergangenen 3 Jahre eben in Barcelona in Spanien.
Langsam neigt sich mein Auslandsabenteuer in Barcelona dem Ende zu, zwei Wochen bleiben mir noch, um genauer zu sein.
Bin ich eigentlich verrückt geworden, meinen Job in meinem Traumunternehmen, einem der größten im internationalen Tourismus, meine wundervolle Wohnung, meine Selbständigkeit, meine Freunde und meine Existenz, die ich mir hier aufgebaut habe aufzugeben?
Ja, muss wohl so sein.
Ich weiß nicht wieso, aber irgendwann spürte ich eine tiefe Leere in mir. Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich meine Gedanken zu einem Entschluss und schließlich zu einer Tat fasste, Barcelona zu verlassen.
Wieso?
Ich war nur noch ein Schatten meiner selbst, plagte mich in Spätschichten, von 16 bis 24 Uhr, ging meist erst nach 3 Uhr ins Bett und wusste morgens nicht wie ich aus dem Bett kommen soll, arbeitete mindestens jedes zweite Wochenende und an Feiertagen.
Irgendwann funktionierte ich nur noch, aber Leben war in meinem Körper schon lang nicht mehr - trotzdem schleppte ich mich irgendwie auf Arbeit, wenn ich auch manchmal nicht mehr wusste wie, vor allem die Hitze im Sommer machte mir zu schaffen.
Während meines Aufenthaltes Zuhause in Deutschland realisierte ich zwei wichtige Dinge:
Zum Einen werde ich mich wohl nie wieder wirklich irgendwo Zuhause fühlen, dafür habe ich einfach schon zu lang im Ausland gelebt und bei jeder Rückkehr auch immer ein Stück von mir selbst an diesen Orten zurück gelassen, zum Anderen drehte sich in den letzten 3 Jahren alles in meinem Leben nur um Ausflüge, Reisen, Veranstaltungen, Arbeiten, noch mehr Arbeiten, Geld verdienen, Shoppen, in schicken Restaurants Essen gehen, Party machen, Hotelaufenthalte ...
Vielleicht hätte ich so weiter machen können für die nächsten Jahre.
Aber ich habe realisiert, dass ich bei dem ganzen traumhaften Leben, das sich dann doch trotz der Erschöpfung manchmal irgendwie wie Urlaub anfühlte, drei wichtige Dinge vergessen habe:
Meine Familie, meine Freunde und meine Gesundheit.
Alle drei sind Gründe, weshalb ich zurück nach Deutschland gehen werde, um Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden dort zu verbringen, und um mich zu erholen.
Ob es die richtige Entscheidung war, wird sich zeigen, auch weil ich mir für die kommenden Jahre eine schwere Last aufgebürgt habe, die mich erstmal an Deutschland fesseln wird.
Vielleicht werde ich den Schritt bereuen, weil es vielleicht für mich nie wieder einen Weg zurück gibt, in mein Traumunternehmen, vielleicht werde ich Barcelona jeden Tag und jeden Moment schrecklich vermissen, aber dann ist es eben so.
Aber irgend etwas in mir hat gesagt, dass es Zeit ist zu gehen, vorerst.
Vielleicht komm ich wieder, man weiß ja nie.
Wahre Freunde konnte ich mir in Barcelona bei all dem Geld leider nicht kaufen. Dafür ist das Leben hier dann doch zu oberflächlich.
Und doch gab es sie, diese ganz besonderen Menschen, die mich Sonnenblume nannten, die meinen Tag und mein Herz mit ihrem Optimismus erhellten.
Sie sind selbst schon lang weg, in Schweden, in Holland ...
Vielleicht ist mit ihnen ein Teil von mir gegangen, ich weiß es nicht.
Aber in den vergangenen Wochen habe ich mich nur selten Lächeln sehen.
Vielleicht weil ich etwas bereue.
Nein, nicht meine Zeit hier, die ganz gewiss nicht, wenn ich könnte, würde ich alles noch einmal ganz genau so machen.
Aber ich habe Anfang des Jahren ein Gefühl kennengelernt, das ich seit Jahren nicht mehr spürte. Ich habe geliebt und mich nicht getraut, es dieser Person zu sagen, obwohl es passende Momente gab. Nun ist er weg. Und die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns je wieder sehen viel zu gering. Ich hätte es sagen sollen, was hatte ich zu verlieren? Aber ich wollte meine Entscheidung nicht noch einmal an einer Person festmachen. Wäre er geblieben, dann wäre ich ganz gewiss noch hier, vielleicht wäre ich ihm auch gefolgt, aber nun ist der Moment vorbei, der passende, in dem er sprach und meine Lippen lautlos blieben.
Ich hätte es verdammt nochmal sagen sollen.
Momentan bin ich zurück in Barcelona, für zwei letzte Wochen. Zwei Wochen ... ich kann es nicht glauben. Gehe ich wirklich mit festem Entschluss, oder ist meine Geschichte hier vielleicht doch noch nicht zu Ende geschrieben?
Es fühlt sich bereits alles so fremd an, ich fühle mich als wäre ich auf Urlaub und irgendwie auch nicht.
Diese ganzen Erinnerungen, sind sie wirklich wahr, sind sie wirklich geschehen, war ich wirklich wach, oder habe ich nur geträumt ... oder funktioniert?
Eines weiß ich ganz genau:
Ich glaube an das Schicksal und an Bestimmung.

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